Die Inspiration des Wortes Gottes
Die Tatsache der Inspiration der Bibel ist eine Säule unseres christlichen Glaubens und beantwortet die Frage, ob es sich bei der unserem Bibeltext zugrunde liegenden Urschrift wirklich um Gottes Wort handelt.
Sprachliche Definition
Nehmen wir den Duden zur Hand, lesen wir zur Inspiration folgende Sinndeutungen:
In|s|pi|ra|ti|on, die; -, -en <lat.> (Eingebung; Erleuchtung)
(Quelle: Duden – Die deutsche Rechtschreibung, 25.Auflage, Mannheim, 2009)
In|s|pi|ra|ti|on die; -, -en <lat.; »Einhauchung«>: schöpferischer Einfall, Gedanke; plötzliche Erkenntnis, erhellende Idee, die jmdn., bes. bei einer geistigen Tätigkeit, weiterführt; Erleuchtung, Eingebung.
(Quelle: Duden – Das Fremdwörterbuch, 10.Auflage, Mannheim, 2010)
Im täglichen Sprachgebrauch wird Inspiration aufgrund dieser Beschreibungen oft als Synonym für Ideengebung verwendet, dass uns also beispielsweise ein bestimmter Umstand zu einer bestimmten Tat inspirierte.
Auch in Zusammenhang mit bedeutenden literarischen Werken (Shakespeare etc.) wird oft von Inspiration gesprochen, diese hat ihren Ursprung aber zweifelsohne im menschlichen Geist.
Diese Definitionen lassen eine Vielzahl von Deutungen zu; wenn wir also beispielsweise mit Ungläubigen über die Inspiration der Bibel sprechen, kann es deshalb – ohne weitere Erläuterungen – schnell zu Missverständnissen kommen.
Dazu trägt auch die Vielfalt an Deutungsformen bei, die wir nachstehend auszugsweise untersuchen.
Verbreitete Deutungsformen
(1) Jedes Wort der Bibel wurde von Gott selbst diktiert bzw.
Die Verbalinspiration erhebt den Anspruch der Irrtumslosigkeit der Bibel; vielfach in Verb. mit Widerspruchslosigkeit.
Die Vielfalt der Schreibstile legt nahe, dass Gott nicht jedes Wort diktierte; „verbal“ kann als ausschließlich mündliche Eingebung Gottes missverstanden werden.
Die Realinspiration beschränkt die Irrtumslosigkeit also auf die Offenbarungen Gottes, beinhaltet nicht die fehlerfreie Aufnahme, Deutung und Niederschrift derselben.
Die Autoren selbst standen unter besonderem Einfluss des Heiligen Geistes (z.B. die Apostel und Propheten) und wurden direkt inspiriert. Das aber nicht im Sinne des göttlichen Wirkens auf ihren Geist, sondern dem des Wirkens eines vergöttlichten menschlichen Geistes.
Die Personalinspiration hebt die Autoren in den Status, durch ihre Geistlichkeit Gottes Wort selbst formuliert zu haben.
Die Bibel ist als Produkt menschlichen Geistes anzusehen, was eine nur bedingte Zuverlässigkeit/Verbindlichkeit der biblischen Worte bedeutet.
Biblische Aussagen zur „Inspiration“
Der Begriff Inspiration findet in der deutschen Bibel keine wörtliche Verwendung, das englischsprachige Pendant finden wir in der King-James-Version / Authorized Version an zwei Stellen:
- „But there is a spirit in man: and the inspiration of the Almighty giveth them understanding” (Hiob 32:8)
- „All scripture is given by inspiration of God, and is profitable for doctrine, for reproof, for correction, for instruction in righteousness: That the man of God may be perfect, throughly furnished unto all good works”
(2.Timotheus 3:16-17)
Der griechische Grundtext zu letztgenannter Bibelstelle verwendet für Inspiration übrigens das Wort „theopneustos“ ( = „göttlich eingehaucht“), eine weitere veranschaulichende Formulierung finden wir im Grundtext des Verses 2.Petrus 1:21 („heilige Menschen Gottes redeten, getrieben vom Heiligen Geist“), der dort benutzte Begriff „getrieben“ lautet übersetzt „pheromenoi“ = „getragen“ / „hervorgebracht“ / „verursacht“ / „geführt“).
Bevor wir nun weitere Belege aus Gottes Wort anführen, halten wir fest, dass Inspiration eine von Seiten Gottes ausgehende und auf uns einwirkende Kraft mit einem konkreten Ziel ist. Sie führt Menschen zu einem mit Seinem Willen konformen Denken bzw. Schreiben
Untersuchen wir nun Belege, wo Gottes Wort selbst und die Inspiration verdeutlicht:
Belege des Alten Testaments
- „Und nun geh hin, und ich will mit deinem Mund sein und dich lehren, was du reden sollst“ (2.Mose 4:12)
- „Und Bileam sprach: […] Das Wort, das Gott mir in den Mund legt, das werde ich reden […] Muss ich nicht darauf achten, das zu reden, was der HERR in meinen Mund legt?“ (4.Mose 22:38; 23:12)
- „Der Geist des HERRN hat durch mich geredet, und sein Wort war auf meiner Zunge“ (2.Samuel 23:2)
- „Und ich sprach: Ach, Herr, HERR, siehe, ich weiß nicht zu reden, denn ich bin jung […] Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an, und der HERR sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund“ (Jeremia 1:6.9)
- „Und er sprach zu mir: Menschensohn, auf, geh hin zum Haus Israel und rede zu ihnen mit meinen Worten!“ (Hesekiel 3:4)
- „Im ersten Jahr Darius’, des Sohnes Ahasveros’, aus dem Geschlecht der Meder, der über das Reich der Chaldäer König geworden war, im ersten Jahr seiner Regierung verstand ich, Daniel, in den Schriften die Zahl der Jahre, bezüglich derer das Wort des HERRN an den Propheten Jeremia ergangen war, dass nämlich 70 Jahre für die Verwüstung Jerusalems vollendet werden sollten“ (Daniel 9:1-2; Referenz auf Jeremia 25,11.12; 29,10)
Im Gegensatz zu den obigen Versen wurde das Gesetz bei der ersten Niederschrift nicht inspiriert:
- „Und der HERR sprach zu Mose: Steige zu mir herauf auf den Berg und sei dort; und ich werde dir die steinernen Tafeln geben und das Gesetz und das Gebot, das ich geschrieben habe, um sie zu belehren […] Und er gab Mose, als er auf dem Berg Sinai mit ihm ausgeredet hatte, die zwei Tafeln des Zeugnisses, Tafeln aus Stein, beschrieben mit dem Finger Gottes. […] Und die Tafeln waren das Werk Gottes, und die Schrift war die Schrift Gottes, eingegraben in die Tafeln.“ (lies dazu 2.Mose 24:12; 31:18; 32:16)
Nach der schweren Untreue des Volkes Israel lesen wir dann erneut von göttlicher Inspiration:
- „Und der HERR sprach zu Mose: Schreibe dir diese Worte auf; denn entsprechend diesen Worten habe ich mit dir und mit Israel einen Bund geschlossen. Und er war dort bei dem HERRN vierzig Tage und vierzig Nächte; er aß kein Brot und trank kein Wasser. Und er schrieb auf die Tafeln die Worte des Bundes, die zehn Worte“ (2.Mose 34:27-28)
Belege des Neuen Testaments
Das Neue Testament bezeugt ebenfalls an vielen Stellen den göttlichen Ursprung der Bibel, Jesus Christus bestätigt diese Tatsache oft selbst:
- „Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Und warum übertretet ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen?“ (Matthäus 15:3)
- „Was aber die Auferstehung der Toten betrifft – habt ihr nicht gelesen, was zu euch geredet ist von Gott, der spricht: „Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.“? Gott ist nicht der Gott der Toten, sondern der Lebenden.“ (Matthäus 22:31-32)
- „sondern wie geschrieben steht: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz aufgekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“; uns aber hat Gott es offenbart durch seinen Geist […] um die Dinge zu kennen, die uns von Gott geschenkt sind; die wir auch verkündigen, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist“ (1.Korinther 2:9-13)
- „Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich auch euch überliefert habe“ (1.Korinther 11:23)
- „Und darum danken auch wir Gott unablässig dafür, dass ihr, als ihr von uns das Wort der Kunde Gottes empfingt, es nicht als Menschenwort aufnahmt, sondern, wie es wahrhaftig ist, als Gottes Wort“ (1.Thessalonicher 2:13)
- „Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn […] welcher, die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Abdruck seines Wesens seiend und alle Dinge durch das Wort seiner Macht tragend“ (Hebräer 1:1-3)
- „Denn die Weissagung wurde niemals durch den Willen des Menschen hervorgebracht, sondern heilige Menschen Gottes redeten, getrieben vom Heiligen Geist“ (2.Petrus 1:21)
Erinnern wir uns nun zusammenfassend an die drei verbreitetsten Deutungsarten der biblischen Inspiration, so kommt die der Verbalinspiration dem recht nahe, was wir anhand der Untersuchungen erkennen durften. Doch handelte es sich bei der Inspiration des Wortes Gottes nicht grundsätzlich um ein Diktieren der niederzuschreibenden Inhalte seitens Gottes, auch wenn dies zu Zeiten des Alten Testaments wohl meist der Fall war.
Gott der Heilige Geist benutzte stattdessen geistliche Menschen als Werkzeuge, wirkte an und in ihnen, so dass im Ergebnis wirklich jedes Wort der Bibel den Ursprung im Geist Gottes hat und durch Ihn bewirkt ist! Die kulturellen und sprachlichen Eigenarten der Autoren wurden dadurch nicht aufgehoben, ebenso wenig ihre persönlichen Erfahrungen (soweit sie von dem Heiligen Geist nutzbringend eingesetzt werden konnten), wodurch auch viele Schreibstile in die Bibel einflossen!

